Das Zeitmesser [Hörspiel | Autorenproduktion | 2013]

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mit Ilse Kilic, Fritz Widhalm, Magdalena Knapp-Menzel, Annalena Stabauer, Angela Tröndle und Johannes Tröndle
Text, Musik, found footage & Regie: Johannes Tröndle

 

CD [50:13] edition audiobeans 2013 [EUR 7,50]  > order via e-mail!

Erstsendung: hr2 kultur, 22.06.16, 21:00

"Das auf mehrere Stimmen verteilte Hörspiel „Das Zeitmesser“ reißt in Schnitten, Sequenzen Etappen des Kindseins an und Zeitfenster auf. Die Familie ist klein und lebt in einem Holzhaus. Tröndle schafft mit einfachen Methoden Kulissen und Settings und erreicht damit, dass die Hörerin, der Hörer sich unmittelbar im Raum des Erzählten findet.
Ganz nahe an das Kind rücken die Phrasen der Einflüsterer, die Ge- und Verbote, die Aufforderungen an das Kind, den Buben, der sich manchmal verloren aber stets rückgebunden an die eigene Phantasie in sich selbst zurückzieht und dergestalt kleine „Abzweigungen“ nimmt. Zwischen Erinnerung, Traum und Realität sind die einzelnen Abschnitte angelegt; und einmal – das Kind ist krank – scheint es die Zeit verloren zu haben, hat es die Zeit verloren. Empfehlenswert!"

(Petra Ganglbauer auf gangway.net)

[weitere rezensionen]

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[...] die aus Kinderblick famos inszenierten Befremdungen, was mehrsprachige Homophonien anbelangt, die Lakonik, mit welcher der Sprecher dies notiert, sind nicht nur nachdenklich, sondern auch in grossem Masse belustigend. Scharf ironisch geht es ja dabei auch über einen Lebensstil - verdichtet im Bereich der Eltern – her: ein gelungenes, wahrnehmungssattes, anregendes und durchwegs witziges Sprach- und Stimmspiel.

(Christiane Zintzen auf inadaequat)

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Es ist wieder verschroben, intensiv und feinsinnig geworden. Im Vergleich zum Hörstück "Urgroßvater", das der vorliegenden Arbeit vorangegangen ist, fällt rasch eine fundamentale Neuerung auf: Johannes Tröndle hat sich diesmal nicht allein auf seine eigene Stimme verlassen. Die diversen zusätzlichen SprecherInnen und die Vocals aus den Found Footage - Aufnahmen nehmen viel von der formalen Sperrigkeit, was den Zugang zur inhaltlichen Tiefe erleichtert. Leider wirken manche der SprecherInnen in ihrer Rhetorik tapsig und lassen es an schauspielerischer Souveränität mangeln. Dieses Manko bleibt allerdings das einzig nennenswerte. "Das Zeitmesser" wurde mit spannungsreichen Klängen ausgestattet und klug geschnitten. Und es bringt einen hervorragenden Text zu Gehör, der in der Manier einer Agota Kristof monolithische Sätze ineinanderwebt, um das Szenario einer nahezu autistisch durchlebten Kindheit inmitten einer engen, morbiden und letztlich gewalttätigen Umwelt zu generieren: "Du könntest öfter mit deinem Holzball spielen". Der junge Protagonist und Ich-Erzähler sucht Zuflucht in Dingen ("Mein Wecker war mein roter Freund") und birgt sich in der Sprache: er will das Leben ausbuchstabieren, führt Inventuren seiner Wirklichkeit durch, wägt die Worte sorgsam ab, er will ihre Freundschaft, sucht Trost und Orientierung in ihnen, verkennt ihre Bedeutungen und verleiht ihnen frische, das Lexikon wird zum Orakel, das Schreibheft zum Spiegel. "Er ist immer so fleißig." - "Du bist immer so komisch." Angenehme Erinnerungen an Sartres Autobiographie "Die Wörter" werden geweckt. Doch "Der Ekel" fehlt. In "Das Zeitmesser" ist die Existenz keine fiebrig absurde, sondern unterkühlt idiotisch. Wir hören keinen Audio-Schiele, wir hören Neue Sachlichkeit - aus dem Inneren des Bildes. Wenige Adjektive, kurze Sinneinheiten, Phrasen, wiederholte Phrasen, Filzstift, Finnland, Fisch. Zwischenmenschlichkeit ohne Zusammenhang. Das Objekt "a", die geheimnisvolle Leerstelle in der Textur ist die Figur des Großonkels. Dieser wohnt - offen abgeschottet, heimlich verabscheut - mit der Kleinfamilie in einem Haus. Ohne jegliches Spektakel laden sich die Gegenstände in den Zimmern nach und nach mit bedrohlicher Energie auf, der Nebel der Vergangenheit lichtet sich, ein alter und dumpfer Fluch tritt allmählich zu Tage. Es wird eine Katastrophe geben. Und der Großonkel wird in ihrem Epizentrum stehen... Auslotungen von Zeit, Sprache und Isolation werden in "kleine Literatur" gegossen. Und man muss nicht Deleuze oder Guattari heißen, um zu wissen, dass das großes Kino ist. Subtile Wucht. Berührt.

(Stephan Roiss in freistil)

 

[Das Zeitmesser als LIVE-Hörspiel]

[Das Zeitmesser als LIVE-Hörspiel]

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Das Zeitmesser | Live-Hörspiel für 1 Sprecher, 1 Kinderkassettenrekorder, 4 Diktiergeräte, 3 Audio- und 4 Microkassetten,
1 Kinderklavier, 1 Melodika, 1 Drummachine, 1 Metronom, 1 Messer, 1 Handzimbel und 7 Wecker

Die anderen Kinder mit Taschengeld sammelten Spinnen und rissen ihnen die Beine aus. Ich hatte Taschengeld und sammelte gar nichts. Von meinem ersten Taschengeld kaufte ich mir ein Schreibheft und einen Wecker aus rotem Plastik“. Der Schriftsteller und Musiker Johannes Tröndle verknüpft auf spielerische Weise Lesung, Performance und Konzert, Sätze, Klänge und Geräusche zu einem Hörspiel in Echtzeit, bei dem der Ausgangstext Das Zeitmesser, eine Erzählung aus der Perspektive eines Kindes, akustisch ergänzt, umspielt, mit musikalischen Mitteln artikuliert und interpretiert wird. Auf der Bühne, simultan gelesen und vertont, werden Erinnerung und Fiktion, Sprach- und Klangbilder miteinander verknüpft, Traum und Wirklichkeit ineinander verstrickt und zu einem imaginären Dritten verschmolzen. [Pressetext]

 

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LIVE-Hörspiel-Termine | 06.11.2013, porgy&bess / strenge kammer, Wien | 14.11.2013, café 7*stern / herbstklang-festival, Wien

 

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